... bis hin zu zerstörten Bäumen – die dritte deutsche Auswahlrunde der Internationalen Biologieolympiade 2017

Lilith Diringer (12b) nahm auch in dieem Schuljahr wieder an der Internationalen Biologieolympiade teil. Von über 1700 Teilnehmern der ersten Runde schaffte sie es nach erfolgreichem Durchlaufen der weiteren Aufgaben schließlich als bundesweit Erstplatzierte in die dritte Runde, zu der sich in Kiel die 45 besten BiologieschülerInnen Deutschlands zu einem einwöchigen Auswahlseminar trafen. Dort erreichte sie den 18. Platz und gewann ein vierwöchiges Praktikum im Bereich Bioinformatik in Sheffield.

„Achtung stooop!“ Es sind zwei der Teilnehmer auf den hintersten Sitzen im Bus, die versuchen, den Busfahrer einige Meter vor ihnen zu warnen, bevor die Hinterscheibe den Ast eines Laubbaums hinter uns zerbricht. Wer wir sind, kann jeder unverwechselbar daran erkennen, dass die Ersten bereits damit beginnen, den Baum zu bestimmen und Sätze wie „Also, auf jeden Fall dikotyl, mit sekundärem Dickenwachstum, folglich Kambium vorhanden, die Blätter sind...“ – denn wir sind die 45 Teilnehmer der dritten Auswahlrunde der IBO 2017 samt Betreuer. Aktuell befinden wir uns im Bus in Kiel, der uns eigentlich wie jeden Morgen zum IPN bringen soll, damit an diesem Mittwoch pünktlich um 8:30 die theoretische Klausur beginnen kann. Doch momentan sieht es nicht so gut aus. Denn unser Busfahrer hat sich verfahren und das große Gefährt steckt zwischen Autos und Bäumen in einer viel zu engen Gasse fest. Nun müssen wir aussteigen, damit der Busfahrer noch besser manövrieren kann. Und – tatsächlich: nach einer halben Stunde Vor- und Zurückfahren, hat er es schließlich geschafft und wir können, wenn auch verspätet, den Weg zum IPN fortsetzen.

Die Klausur muss aufgrund der Panne um eine halbe Stunde nach hinten verlegt werden. Aber: immer positiv sehen. So hatte man im Bus eben noch einmal die letzte Gelegenheit, ein paar Biofragen zu klären und Ratestrategien für den Multiple-Choice Part auszutauschen – und auch die Betreuer sehen etwas Gutes darin. Besser ist es, dass der Bus heute und nicht einen Tag zuvor zwischen Autos feststeckte – denn die praktischen Klausuren, die wir bereits am Dienstag absolviert haben, wären nicht so einfach zu verschieben gewesen.
Viereinhalbstunden nachdem wir es widererwartend doch noch in die Prüfungsräume geschafft haben, sind wir schließlich erlöst. Fertig mit Klausuren – ab jetzt steht der nicht minder interessante, aber dennoch etwas entspannendere Teil der Auswahlrunde an, der erst einmal mit einem Mittagessen knapp vor Kantinenschluss beginnt. Im Anschluss daran werden die Lösungen der praktischen Klausuren besprochen, damit wir nicht im Ungewissen bleiben, die Punkteverteilung später besser nachvollziehen können und die Gelegenheit bekommen, uns über solch witzige Antworten wie „Was ist der stärkste Bindungstyp?“ „Liebe“ aus der Physiologieklausur, oder „Was hast du gezeichnet“ „Nichts!“ aus dem Botanikteil zu amüsieren, für die es jedoch leider keine Kreativpunkte gab.

Am Mittwochabend besucht unsere Gruppe dann noch den Mediendom, in dem uns noch einmal eine leicht unterfordernde Vorstellung zum Thema Darwin geboten wird. Abgerundet wird der Abend schließlich durch das Erklären des aktuellen Sternenhimmels über Kiel, um etwas zu entspannen. Denn viel Schlaf hatte von uns Teilnehmern in den letzten Tagen niemand bekommen. Auf die Klausuren folgten lückenlos Vorträge und Crashkurse und selbst in den Pausen konnten einige nicht genug bekommen und steckten entweder ihre Nasen in Biologiebücher, oder bombardierten die Betreuer mit Fragen, auf die sie meist mit Begeisterung antworteten. Von Ökologie über Vererbung bis hin zu chemischem Rechnen und Bioinformatik war unter ihnen für alles ein Experte zu finden.

Am nächsten Tag stand schließlich nach der Busfahrt nach Hamburg der Besuch des Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin auf dem Veranstaltungsplan. Während die Teilnehmer die neusten Informationen über die aktuelle Malariaforschung und im Anschluss über Untersuchungen von Krankheitsübertragungen durch Stechmücken in Deutschland erfuhren, stellte auch der ganz besondere Schutzanzug ein Highlight dar – denn wortwörtlich aufgepumpt in einem Labor zu stehen – das hatte tatsächlich noch niemand aus unseren Reihen jemals ausprobiert. Im Anschluss ging es weiter mit einer Stadtrundfahrt durch Hamburg, bei dem wir gegen Ende merkten, dass sich dieses Mal scheinbar alle Busse gegen uns verschworen hatten. Nach einem kleinen Unfall schafften wir es jedoch schließlich unbeschadet in die Jugendherberge.

Der krönende Abschluss fand wie traditionell bereits seit vielen Jahren erneut in der Firma Eppendorf statt. Doch die Teilnehmer erfuhren natürlich nicht sofort die Auflösung der Ergebnisse, sondern wurden erst noch durch Reden auf die Folter gespannt, mit einem spannenden Vortrag des Titels „“ von ... abgelenkt und von der Musik der „-schule“ wurde noch eine letzte Pause eingeleitet, bevor schließlich die Urkunden vergeben wurden.

12 der Teilnehmer kamen schließlich weiter und werden in der vierten Auswahlrunde erneut in Kiel aufeinandertreffen. Weitere Schüler durften sich über spannende Praktika im In- und Ausland, wie z.B. in Heidelberg, Zürich und Sheffield freuen. Doch wie es bereits Christina Gebler als Vorsitzende des Fördervereins von einem Teilnehmer des vergangenen Jahres zitierte „Die IBO ist nicht ein Kampf gegeneinander, sondern ein Kampf gemeinsam gegen die Klausuren“, sodass tatsächlich alle 45 Teilnehmer glücklich und stolz als Gewinner aus dieser Veranstaltung herausgehen können. Denn alleine die Leistung, es zu schaffen unter die 45 Besten aus fast 1800 Erstrundenteilnehmern zu kommen, ist bemerkenswert. Jetzt bleibt es weiterhin spannend, wer sich in der nächsten Runde beweisen kann und für wen es dann tatsächlich heißt: Ab nach Coventry. wo dieses Jahr die IBO stattfinden wird.

Mit einem Lunch- sowie zusätzlichem Bücherpaket bepackt, wodurch die meisten mit dem Transport leicht überfordert waren, hieß es dann wieder: ab nach Hause – doch: man sollte nicht zu früh trauern, denn es dauerte keine 10 Sekunden, bis die erste Nachricht in der gemeinsamen WhatsApp-Gruppe auftauchte – ein langjähriger Kontakt ist also schon jetzt garantiert.

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