Mut und Menschlichkeit zeichnen Schwester Vida und Lisa Müller aus. Die beiden Frauen berichteten den Schülern des Gymnasiums Karlsbad von ihren Erlebnissen und Erfahrungen in Nicaragua.

oktober2007a kleinVida Esperanza Cerato – so heißt die Besucherin aus dem fernen Mittelamerika, aus Nicaragua, um genauer zu sein. „Nomen est omen", ihr Name ist auch ihr Schicksal: „Leben" und „Hoffnung" so die Übersetzung des spanischen Namens der Nonne aus dem Franziskaner-Orden, die letzte Woche erstmals in ihrem Leben europäischen Boden betreten hat. Auf „Gegenbesuch" in Karlsbad, bei den Eltern von Lisa Müller, die nach ihrem Abitur 2006 ein soziales Jahr dort im Osten des Landes - an der Costa Atlantica – einem sehr unterentwickelten Landstrich von Nicaragua verbracht hat. Schwester Vida, inzwischen 61 Jahre alt, ist die Ordensleiterin einer kleinen Gruppe von sechs Schwestern. Sie hat den weiten Weg auf sich genommen, um hier den Schülern des Gymnasiums Karlsbad etwas zu vermitteln von den Nöten in dem von Katastrophen und politischen Wirren geplagten Land, aber auch um von dem Leben und der Freude in dem Land der „Vulkane und Seen" zu berichten und sich zu bedanken für das, was der Schulverein Gutes getan hat.

Ausgelöst durch das große Erdbeben von 1972, bei dem fast die ganze Infrastruktur des Landes zerstört wurde und über 10.000 Menschen ihr Leben lassen mussten, hatte sie sich der Anweisung ihres damaligen Bischofs verweigert, wieder in die Hauptstadt Managua zurückzukehren und ihren üblichen Kirchendienst als Nonne aufzunehmen. Stattdessen wollte sie den Ärmsten der Armen helfen, ihnen Mut zusprechen und versuchen, mit den einfachen dort vorhandenen Mitteln auszuhelfen. „Fünf Nähmaschinen hatten wir damals beschafft", so erzählt Schwester Vida den aufmerksam zuhörenden Schülern der 5. bis 13. Klasse im Gymnasium. Damit konnte die Frauengruppe nicht nur sich, sondern auch ihre Familien mit meist mehreren kleineren Kindern über Wasser halten.

Seit damals hat Schwester Vida einiges überstanden: den Sturz des Diktators Somoza 1979, die Revolution und den Gegenangriff, der von den USA gestützten Contrarebellen. Dann 1998 den Hurrikan Mitch, der die Infrastruktur des Landes mit Straßenverkehr, Strom- und Wasserversorgung fast vollständig zum Erliegen brachte. Trotzdem hat sie ihren Mut und ihre Zuversicht nicht verloren: mit ihren Franziskanerschwestern betreut sie etwa 30 Kindern: 4 von ihnen leben direkt bei den Schwestern, 24 werden mit den Spenden vom Nicaraguaverein des Gymnasiums Karlsbad unterstützt. Konkret bekommen sie dabei eine einfache ärztliche Zahnversorgung, Mittel gegen Parasiten und die Versorgung mit Schulkleidung, Heften und Bleistiften. Gesammelt hat das Gymnasium diese Spenden über die „Lebensläufe", die alle zwei Jahre durchgeführt werden, über Schulfeste, Aktionen von Klassen und der SMV, Patenschaften und andere Einzelspenden. Der Erlös geht direkt an den Verein. Und weil die Verwaltung von aktiven oder ehemaligen Lehrern ehrenamtlich übernommen wird, können die kompletten Einnahmen direkt für die Kinder in Nicaragua eingesetzt werden.

Die Eltern von Lisa konnten sich davon ein Bild machen, als sie im Frühjahr 2007 vier Wochen mit Schwester Vida durch das Land gereist sind: für die Großfamilien, bei denen oft die Mütter ihre 5-6 Kinder alleine erziehen, ist die Hilfe aus Karlsbad ein echter Segen. In den dürftig ausgestatteten Wellblechhütten mit Lehmboden und ohne fließendes Wasser und Strom ist es nicht einfach, im Sommer bei fast 40 Grad im Schatten seine Arbeiten zu machen. Im so genannten „Winter" ist es nur wenig kühler, dafür regnet es in Strömen, so dass ein Fortkommen auf den meist unasphaltierten Straßen kaum möglich ist.

oktober2007 kleinDer Besuch von Schwester Vida und Lisa Müller, die die franziskanischen Schwestern nach ihrem Abitur 2006 zehn Monate in Nicaragua begleitet hat und jetzt als Berichterstatterin und Übersetzerin zur Seite steht, ist für die Schüler eine Riesenchance: so erfahren sie aus erster Hand, wofür sie sich mit ihren Lebensläufen und anderen Aktionen einsetzen. In dem Diavortrag von Lisa und den Beiträgen von Schwester Vida, bekommen sie hautnah mit, wie gleichaltrige Schüler und Kinder dort in Nicaragua leben, was sie bewegt und was ihre Sorgen und Hoffnungen sind.

In ihrem neuen Projekt für 2008 will Schwester Vida ein Kinderheim aufbauen. Darin sollen weitere 30 missbrauchte oder verwaiste Mädchen zwischen 10 und 15 Jahren Unterkunft finden und eine Ausbildung als Köchin oder Näherin bekommen. „Warum gerade diese Mädchen", fragen wir Schwester Vida? „Weil sich niemand an der Atlantikküste um Mädchen in diesem schwierigen Alter kümmert." Die dortige Gemeindeverwaltung in Bluefields hat kostenlos ein Grundstück zur Verfügung gestellt. Die Hälfte der benötigten Baukosten hat der Nicaraguaverein des Gymnasiums Karlsbad bereits über Spenden aufgebracht, jeder weitere Beitrag hilft, dass das Projekt auch über die Rohbauphase hinaus schnell umgesetzt werden kann. „Wenn alles gut läuft, können wir im März 2009 bereits die ersten Mädchen aufnehmen", so Schwester Vida. – Vielleicht können Sie mithelfen?