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„Kann man da auch Krieg spielen?“ Dies war die erste Frage von uns Schülern, als unsere Gemeinschaftskundelehrerin Frau Fahrner uns erstmals vom Planspiel Pol&IS erzählte.

Pol&IS? Was ist das? Pol&IS steht für Politik und Internationale Sicherheit und ist ein Planspiel, das von den Jugendoffizieren der Bundeswehr durchgeführt wird. Doch bald sollten wir merken, dass es bei dieser Simulation um weit mehr geht, als darum, blutige Kriege zu führen.

Bereits vor Beginn des eigentlichen Spiels und um uns auf dessen fordernde Komplexität vorzubereiten, erhielten wir, der Gemeinschaftskunde-Vierstünder und der Geschichts-Vierstünder, am Gymnasium eine umfassende Einführung von einem der beiden Jugendoffiziere, die Pol&IS mit uns durchführen sollten. Zugegen waren außerdem zwei Kurse des Gymnasium Neuenbürg, die mit uns teilnehmen würden.

Zunächst fühlten wir uns überfordert von den verschiedenen Rollen, Formularen, der Pol&IS-Währung und dem Ablauf, freuten uns aber gleichzeitig auf die Herausforderung.

Und so brachen wir am Morgen des 05.12.2017 freudig auf, unser Ziel: die Jugendherberge in Bad Urach. Vor Ort erfolgte zuerst die Zulosung der Rollen. In der Pol&IS-Welt wird die reale Welt vereinfacht in 13 Regionen dargestellt. Pro Region gibt es hierbei einen Regierungschef, einen Staatsminister, einen Wirtschaftsminister sowie einen Umweltminister. Zusätzliche Rollen, die regionenunabhängig sind, sind die Weltbank, Weltpresse, NROs (Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International oder Greenpeace) sowie zwei UN-Generalsekretäre. Diese vereinfachte Darstellung der Welt ermöglicht Einblicke in die komplexen Strukturen der Weltpolitik. In seiner eigenen Rolle entwickelt man Lösungen für politische Probleme, die sich an realen Konflikten orientieren. Dabei gibt es nicht nur regionale Schwierigkeiten, sondern auch Probleme auf der globalen Ebene, die das Kollektiv aller repräsentierten Regionen zur Lösung erfordern.

Nach den separaten Einführungen in die einzelnen Rollen starteten wir bereits in das erste Pol&IS-Jahr, ganz nach dem Motto „learning by doing“. An die Hand bekamen wir hierzu sogenannte Regelhefte, die uns die Möglichkeiten und Aufgaben unserer jeweiligen Rollen erklären sollten, trotzdem waren wir anfangs auf uns alleine gestellt und konnten uns ausprobieren und uns selbst langsam an die Simulation gewöhnen. Die Jugendoffiziere hielten sich vornehmlich im Hintergrund und warfen uns nur ab und zu kleine Spielsteine ein, um die bestehenden Strukturen etwas aufzumischen; so hatten wir die Möglichkeit, weitgehend selbstständig die Welt der internationalen Politik zu erkunden. Unsere anfängliche Überforderung wandelte sich schnell in die Motivation, seine eigene Region zu stärken und den Weltfrieden zu sichern, um.

Ein Pol&IS-Jahr ist gegliedert in verschiedene Arbeitsphasen: zunächst trafen sich alle Minister in der eigenen Region, um ihre politischen Ziele für das kommende Jahr zu besprechen. Im Anschluss folgten Fachkonferenzen, in denen die Minister globale Probleme wirtschaftlicher, sicherheitstechnischer und umweltpolitischer Art zu lösen versuchten; dazu wurden politische Programme geschrieben, Verträge ausgehandelt und Truppen eingesetzt. Unterbrochen wurde diese Phase von einer erneuten regioneninternen Besprechung, bei denen die Minister sich über die aktuelle Lage austauschten. Gegen Ende eines jeden Pol&IS-Jahres fand eine UN-Generalversammlung statt, in der jede Region Bericht über das vergangene Jahr erstattete. Weitere Beiträge bestanden in den Plädoyers der Weltbank, Weltpresse und NROs. Hierbei wurde auch an bestimmte Regionen appelliert, ihrer Politik eine neue Richtung zu verleihen. Den Abschluss bildeten die Nachrichten, bei denen die Jugendoffiziere, sich sowohl an den politischen Programmen als auch an realen Problemen orientierten. Dadurch war jede Region gezwungen, individuell auf die neuen Herausforderungen zu reagieren und diese bei der Planung des nächsten Jahres zu berücksichtigen.

Durch die eigene Einbindung in das politische Geschehen wurde uns persönlich die Wichtigkeit und die Komplexität von Politik nähergebracht. Wer hätte vorher daran gedacht, dass es die Aufgabe eines Politikers ist, sein Volk mit genügend Agrargütern zu versorgen? Oder wie sehr eine Umweltkatastrophe ein Land aus der Bahn werfen kann? Trotz der bereits vereinfachten Simulation konnten wir beobachten, wie sehr alles miteinander verflochten ist und wie schwer es manchmal sein kann, den Durchblick zu behalten und seine Region authentisch zu repräsentieren. Wir wurden aufmerksam gemacht auf die Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit von Problemen, unser Horizont wurde erweitert und unser Blick geschärft. Politik besteht eben doch nicht nur aus Kriegen, sondern im Gegenteil aus diplomatischen Gesprächen und dem Versuch, mit Kompromissen allen Regionen gerecht zu werden.

Auch uns als Gruppe haben die arbeitsintensiven Tage in Bad Urach noch näher zusammengebracht und für viele schöne Erinnerungen gesorgt. Wir steckten so tief in unseren Rollen und der Simulation, dass auch in den Pausen und beim Essen die politischen Gespräche nicht verstummten, so viel Spaß hat es uns gemacht!

Unser besonderer Dank gilt neben den Jugendoffizieren der Bundeswehr unseren engagierten Lehrern Frau Fahrner und Herrn Weisenburger, die sich wirklich große Mühe gegebenen haben, einen Platz bei der Simulation zu ergattern, alles darum herum zu organisieren und uns somit ein einmaliges (Lern)erlebnis zu ermöglichen.

Für mehr Infos: http://jugendoffizier.eu/unser-angebot/simulation-polis/

Alissa Hermann, Judith Kußmann und Hannah Mosbach, alle 12. Klasse

(Bilder zum Bericht: Carlotta Kock, 12a)